Was gegen Zerstörungswut wirklich hilft

Vielleicht hat der ein oder andere von euch den Instagram-Beitrag von Martin Rütter zum Stromzaun von Iris Klein gesehen.
Wenn nicht, hier eine kurze Zusammenfassung: Iris Klein (die Mutter von Daniela Katzenberger) hat auf ihrer Terrasse Lounge-Möbel mit Kissen, welche von ihren Hunden ab und an zerlegt wurden. Um das zu verhindern, hat sie diesen Bereich mit einem Stromzaun eingezäunt. Und dazu ein Video auf Instagram hochgeladen.


Daraufhin antwortete Martin Rütter in einem eigenen Post: „Mal unter uns, finde nur ICH komplett behämmert sich das Haus mit Stromzäunen zu dekorieren, weil man seine Hunde nicht vernünftig auslastet?…“

Mit dem ersten Teil stimme ich überein. Mit Strom einen Bereich abzutrennen, in den Hunde nicht sollen, geht gar nicht. ABER dass die Hunde nicht ausgelastet sind, sondern die Kissen aus Langeweile zerstören ist eine pauschale Behauptung, die meiner langjährigen Erfahrung komplett entgegen steht. In der Regel ist nämlich nicht Unter- sondern Überforderung die Ursache für Zerstörungswut. Wie wir Menschen bauen Hunde Stress ab, in dem sie auf Dingen kauen (wir Menschen kauen auf Fingernägeln, Stiften, Brillen, etc.).

Ich finde, gerade von ihm solche pauschale (und auch veralteten) Aussagen höchst bedenklich.
Das schöne Sprichwort „nach müde kommt blöd“ trifft nicht nur auf Kinder, sondern auch auf Hunde zu. Wenn man übermüdete Hunde noch mehr aus (bzw. eher über-)lastet, dann erreicht man genau das Gegenteil. Nämlich dass sie noch hibbeliger werden.

Weiter schreibt er: „Und finde nur ICH absolut bizarr mit welchem Selbstverständnis Menschen voller Euphorie komplett verunsicherte Hunde präsentieren?…“

Ich erlebe es in meiner täglichen Praxis, dass viele Menschen denken, dass es ihrem Hund gut geht. Und sie wollen auch, dass es ihrem Hund gut geht. Nur liegen leider zwischen „gut gemeint“ und „gut gemacht“ Welten. Und ich denke, jeder kann sich da an die eigene Nase fassen. Kein Mensch ist allwissend zur Welt gekommen. Auch ich habe mir Wissen im Laufe meines Lebens angeeignet. Mit meinem ersten Hund bin ich auch noch anders umgegangen. Eben so, wie es der damalige Hundetrainer mir gesagt hat. Mittlerweile sind 20 Jahre vergangen. Die Wissenschaft deckt immer mehr Irrtümer auf. Und eigentlich sollte Herr Rütter es besser wissen, dass man statt anzugreifen lieber Aufklärung betreibt. Auch auf mich wirken die Hunde sehr eingeschüchtert. Denn wie Herr Rütter habe ich auch (im Gegensatz zu Iris Klein) jahrelange Erfahrung im Lesen von den unterschiedlichsten Hunden. Irgendwann reicht ein Blick aus und man sieht, wie der Hund drauf ist.

Allerdings ist Iris Klein keine Hundetrainerin. Und bestimmt mag sie ihre Hunde sehr doll und sie möchte mit Sicherheit nur das Beste für sie. Und sie ist auch felsenfest davon überzeugt, dass ihre Hunde es bei ihr richtig gut haben. Deswegen ist es keine böse Absicht von ihr, sondern einfach Unwissenheit, dass sie ihre Hunde nicht lesen kann.

Es liegt meiner Meinung nach aber einfach an Unwissenheit und keiner bösen Absicht. Das zeigt für mich eher ein Fehler im System. Das Problem ist, dass man keinerlei Wissen braucht, um sich Hunde anzuschaffen. Um eine Auto zu führen, braucht man einen Führerschein, für einen Hund nicht.

Und der letzte Teil: „Hey @rtl_com sollte sie mal wieder in irgendeinem Trashformat mitmachen, könnt ihr sie da die Zäune mal an sich selber testen lassen???“

Hier kann ich Martin Rütter nur zustimmen. Allerdings ist ein Schmerz weit weniger schmerzhaft, wenn er erwartet wird. Und wir Menschen wissen dann auch, warum wir den bekommen und können damit umgehen.

Hier zeigt sich auch wieder die Unwissenheit von Iris Klein. Der Stromzaun funktioniert lerntheoretisch über die „positive Strafe“. Und positive Strafe funktioniert nur, wenn es für den Hund mindestens unangenehm bis schmerzhaft ist. Je schmerzhafter, desto besser funktioniert die Strafe. Und wenn die Hunde so beeindruckt sind, dass der Effekt wochenlang anhält, dann war es sehr, sehr unangenehm für die zwei.

Das Problem hierbei ist, dass wir auch nicht beeinflussen können, womit die Hunde den Stromschlag verknüpfen. Es kann durchaus sein, dass wenn Iris in der Nähe war sie das mit ihr verknüpft haben und zukünftig Angst vor ihr haben. Oder sie haben etwas anderes gesehen, als Beispiel ein zufällig vorbei laufendes Kind. Den Schmerz verknüpfen sie mit dem Kind, haben zukünftig Angst vor Kindern und Angst kann zu Aggression führen.

Wenn du dich auch in einer Situation befindest, dass dein Hund eine Zerstörungswut an den Tag legt und du dich hilflos fühlst, dann kontaktiere mich gerne und wir schauen, wie ich dich unterstützen kann.

Und hier ist der Link zum Original-Post: https://www.instagram.com/reel/CkPAMlwoQKL/?utm_source=ig_embed&ig_rid=fb7fe35d-dcf0-45fd-8d13-c6435ae66b1d